Donnerstag, 30. Dezember 2010

My Best Of 2010

Alright, the year's closing down, time to sum it all up...

Best concerts 

Oran Mor
  • The Unwinding Hours / The Twilight Sad (Glasgow - Oran Mor)
A perfect evening in an amazing venue. The Twilight Sad definitely were the support band of the year with a breathtaking acoustic set but were still topped by The Unwinding Hours whose music just seemed to be made for that old church building.
  • A Place To Bury Strangers (Münster - Gleis 22)
White light, white heat with 45 minutes of white noise. This was what The Jesus & Mary Chain always promised but the what band could never live up to live. A Place To Bury Strangers just blew everyone away, going deaf never sounded that good before.
  • Mission Of Burma (London - Dingwalls)
Old men on stage enjoing that old men in front of the stage enjoyed them rocking with an energy that most bands would die for to still have it.
  • Leatherface (Düsseldorf - Stone)
Again, old men proving that punk's not dead. It was so good to see Frankie Stubbs so moved that the crowd went wild to his songs.
  • Pavement (London - o2 Brixton Academy)
Cashing in on being indie music's darlings more than fifteen years ago. Why not, if you can play such a wonderful greatest hits set and be so relaxed as if it were still 1992.
  • Grant Hart (Münster - Gleis 22)
Another revival of an old man, 15 years after his last tour of Germany. He wrote so many songs for eternity over the past 30 years and he played them all.
  • Off With Their Heads (Bonn - Bla)
That was the archetype of a brilliant punk rock show: a small club filled with people who wanted to sing along and fill the air with sweat and beer and a band rocking hard to give them what they wanted.
  • RVIVR (Köln - Aetherblissement)
Feeling the energy and enthusiasm of a band playing a sold out show on their first European tour: priceless.
  • The Unwinding Hours (Glasgow - Stereo)
The first headlining show of The Unwinding Hours and as Olympic Swimmers opened, a package not to forget.
  • The Unwinding Hours (Stuttgart - Schocken)
Many of the continental shows had their own memorable moments and there were really good ones like the shows in Köln, Wien and Hamburg but this one stood out as Instrument also were at their best.

Best albums


  • Superchunk - Majesty Shredding
The comeback of the year, 'nuff said.
  • The Unwinding Hours - The Unwinding Hours
The other comeback of the year, no need to say more, too.
  • RVIVR - RVIVR
You just can't listen to them and not become hyperactive singing along and wanting to jump around like a teenager.
  • Stephen Egerton - The Seven Degrees Of Stephen Egerton
Smells like ALL, looks like Descendents, sounds great.
  • Dead Mechanical - Addict Rhythms
Pixies going punk, Superchunk with a rougher edge, just my kind of music this year.
  • Off With Their Heads - In Desolation
The best Dillinger 4 album you could possibly get.
  • The Great St. Louis - In Your Own time
Better than Leatherface, at least on record.
  • Gifts From Enola - Gifts From Enola
I like post-rock whent it puts the stress on rock.
  • Iron Chic - Not Like This
Latterman split up three years ago and now you have RVIVR and Iron Chic.
  • Therapy? - We're Here To The End
It's only a live album but it's 36 songs that accompanied me over the last 19 years.

Best songs

  • RVIVR - Seethin'
"Like a cast iron left on a hot stove - it's burning..."
  • The Unwinding Hours - Peaceful Liquid Shell
I could have chosen Knut for its stoic mantra, The Final Hour for its detonation into a wall of sound or Solstice for its heart warming lyrics, but in the end the bass line wins it for me.
  • Superchunk - My Gap Feels Weird
Skip Steps 1 & 3 and you'll end up at this one.
  • ANR - Endless Fields Of Mercury
Thanks to the radio station eldoradio of the Dortmund university,  I discovered this one making Interpol sound so lame.
  • The Bewitched Hands - Work
 Another treasure of the eldoradio internet stream, beautiful indie music from France.
  • Lovers - Peppermint
 And a third eldoradio gem.
  • M.I.A. - XXXO
Fuck Lady Gaga...
  • The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die - Victim Kin Seek Suit
Get a shorter name but keep on making such beautiful songs in the vein of Aereogramme.
  • Off With Their Heads - Clear The Air
"Goddammit, I'm falling apart..."
  • The PUMA Hardchorus - Truly, Madly, Deeply
It's for a commercial, it's a Savage Garden song and it's a bunch of f***ing Spurs hooligans, but it's great.

And 2011?
Got my tickets to see Elbow in Glasgow and Descendents in London, Iron Chic will tour Germany in May and I still hope for Superchunk to come to Europe as well...

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Sophia

Sophia

12.12.10 Grend, Essen

Wochenend- und zugleich Urlaubsende, da passte nichts besser in die melancholische Stimmung als ein Sophia-Konzert.
Diesmal gab sich Robin Proper-Sheppard solo die Ehre und das Grend war komplett bestuhlt und erweckte so die Atmosphäre eines kleinen Kammerkonzerts. In weißen Slippern betrat er dann kurz nach neun die Bühne und spielte sich direkt mit Heartache, If Only und dem wunderbaren Swept Back einmal qzer durch Sophias Bandgeschichte, ehe er dann elegant die Schuhe abstriff und auf Socken weitermachte. Dabei widmete er sicvh auch ausführlich dem Publikum, dass er vorab im Netz gebeten hatte, per Mail Wünsche für die Setlist zu äußern und erzählte immer wieder kleine Geschichten zu den Liedern, über den Tod von God Machine-Kollege Jimmy Fernandez oder über gescheiterte Beziehungen, vielleicht dem Hauptthema in seinen Liedern. Doch sein geradezu britisches Understatement verhinderte dabei, dass dieser Seelenstriptease peinlich wirkte. So kündigte er z. B. Lost (She Believed In Angels) an, spielte es dann aber doch nicht, weil er zu aufgewühlt dafür sei (es handelt vom Tod seiner Mutter).
Nach gut 70 Minuten und den ersten Akkorden von The Sea unterbrach Robin seinen Auftritt, da ihm schwindelig sei und er umzukippen drohte. Die voll aufgedrehte Heizung sorgte in der Tat für eine geradezu unangenehme Wärme im Raum, so dass die Küftung angestellt wurde. Nach gut fünf Minuten kehrte Robin mit zwei Flaschen Wasser unter dem Arm zurück. Doch nach nur einem weiteren Lied war dann endgültig Schluss, es ging einfach nicht mehr.
Dennoch waren die knapp achzig Minuten kaum an Intensität zu überbieten und traumhaft schön.

EA 80

EA 80

11.12.10 AK 47, Düsseldorf

Bis mittags sah die Wochenendplanung so aus: gemütlich mit der Freundin Essen gehen und anschließend Harry Potter im Kino schauen. Doch dann las ich auf Twitter, dass EA 80 zwei Abende im AK 47 spielen sollten. Mal schnell im Netz recherchiert (dort war die Überraschungsband ?? ?? vom Niederrhein angekündigt) und von der Liebsten das OK für eine alternative Samstagabend-Unterhaltung eingeholt und dann ab nach Düsseldorf. Da ich vorsichtshalber sehr früh in der Kiefernstraße ankam (man weiß ja nie, wie geheim solche Konzerte wirklich sind), war noch kein Einlass, aber ein kleiner DIN A5-Zettel an der Tür bestätigte, dass tatsächlich das Mönchengladbacher Punk-Urgestein heute Abend hier spielen würde.
Ohne Vorband gings gegen halb zehn dann los. Die Band spielte eher schnellere Stücke, die langsamen Düsterdepressionen blieben aus. Das AK 47 war dabei gut gefüllt, aber zum Glück nicht ausverkauft, so dass Junge sogar scherzhaft drohte, wenn die Lücken in  der ersten Reihe nicht bald geschlossen würden, dauerte der Auftritt nur dreißig Minuten. Auch fragte er in die Runde, wer denn alles die Kassierer oder Lokalmatadore erwartet habe. Am Ende waren es dann doch gut anderthalb Stunden und mit Häuser bei ausgeschaltetem Saallicht wurde sogar ein großartiger Schlusspunkt gesetzt.
Es war sicherlich nicht der beste Auftritt, aber in so entspannter Atmosphäre hat man EA 80 sicher schon lange nicht mehr gesehen. Und besser als Harry Potter war es allemal.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Grant Hart

Grant Hart / Kenneth Minor

01.12.10 Gleis 22, Münster

15 Jahre sind eine lange Zeit und die ist vergangen, seit Grant Hart das letzte Mal in Deutschland auf Tour war. Überhaupt hat er sich in den letzten Jahren rar gemacht, gerade mal zwei Alben veröffentlicht und es nur zweimal nach Europa zu kurzen Abstechern geschafft, wie vor zwei Jahren ins belgischen Leuven.Im Vergleich zu damals sieht er besser aus, nicht ganz so abgewrackt, auch wenn man im schon mit seinen knapp 50 Jahren den nicht immer gesunden Lebenswandel deutlich anmerkt.
Anlass seiner Deutschland-Auftritte ist die nur hierzulande auf einem kleinen Label veröffentlichte Sammlung von B-Seiten und Raritäten unter dem Titel Oeuvrevue. Als Opener spielten seine deutschen Label-Kollegen Kenneth Minor, die unaufdringliche, countryfizierte Gitarrenmusik machen.
Grant selber hatte dann die Bühne für sich ganz allein, nutzte den Raum auch für seine Wanderungen in den Solopassagen und wirkte ausgesprochen gut gelaunt. Mit You`re The Reflection Of The Moon On The Water von der Hot Wax ging es los, doch sofort mit den nächsten beiden Stücken wurde klar, dass es heute eine Werkschau durch sein umfassendes Schaffen geben würde: Books About UFOs von Hüsker Dü und 2541 von seinem Solodebüt Intolerance. Immer wieder wechselten sich Hüsker Dü-, Nova Mob- und seine Solo-Stücke ab und er bat auch das Publikum aktiv um Liedwünsche, die er auch prompt erfüllte, auch wenn er manchmal kurz in sich gehen musste, wie denn das Lied noch ging und bei Actual Condition dann doch den Text der letzten Strophe nicht mehr hinbekam. Seine Stimme ist zwar etwas rauer als früher, so dass er bei Admiral Of The Sea nicht mehr ganz so die Gänsehaut erzeugen kann wie zu Nova Mob-Zeiten, aber singen kann er immer noch. Vor allem The Main und der mit den Worten "good choice" kommentierte Publikumswunsch Flexible Flyer waren von unglaublicher Schönheit.
In den insgesamt 100 Minuten spielte Grant bestimmt an die 30 Songs, die ich leider nicht mehr alle zusammen bekomme, dafür hat er einfach zu viele Lieder für die einsame Insel geschrieben, von denen er sehr viele gespielt hat wie z. B. Back From Somewhere, Pink Turns Blue, Don't Want To Know If You Are Lonely, Green Eyes, The Girl Who Lives On Heaven Hill, Evergreen Memorial Drive, Over My Head oder It's Not Funny Any More, dem ältesten Stück des Abends.
Nur zwei Wünsche erfüllte er - verständlicherweise - nicht: Too Far Down, da es von Bob Mould ist und er ihn zwar liebe, aber dennoch keine Songs des "old bastard" spiele und Diane, da er das Lied aus der Ich-Perspektive eines Vergewaltigers und Mörders einfach nicht mehr singen könne, zumal es dafür eine reale Vorlage aus seinem Umfeld gab.
Wehe, wenn es wieder 15 Jahre dauern sollte bis zum nächsten Auftritt von Grant Hart in Deutschland.

Setlist
You're The Reflection Of The Moon On The Water
2541
Back From Somewhere
Charity, Chastity, Prudence And Hope
California Zephyr
Admiral Of The Sea
What's A Little Angel Doing So Far From Heaven
Terms Of Psychic Warfare
Green Eyes
Pink Turns To Blue
Now That You Know Me
Never Talking To You Again
Barbara
She Floated Away
Remains To Be Seen
The Girl Who Lives On Heaven Hill
Where You Gonna Land?
I Knew All About You Since Then
Little Miss Information
Don't Want To Know If You Are Lonely
Wernher Von Braun
Over My Head
The Main
Evergreen Memorial Drive
My Regrets
Actual Condition
Signed DC
It's Not Funny Any More
Shoot Your Way To Freedom
Flexible Flyer
Narcissus, Narcissus


A Place To Bury Strangers

A Place To Bury Strangers / Balthazar

27.11.10 Gleis 22, Münster

Viele Leute tragen ja Ohrstöpsel bei Konzerten, damit ihr Gehör keinen Schaden nimmt. Für diese Leute gibt es eine Band, die sie als Benchmark-Test heranziehen können: A Place To Bury Strangers, denn sie haben den Ruf, eine der lautesten Livebands zu sein, auch wenn dies auf CD nicht immer so rüberkommt.
Zum Auftakt beschallten die Belgier Balthazar mit ihrem netten, aber doch zu belanglosen Indie-Pop das noch recht leere Gleis, so dass ich mich lieber von der schwarz-gelben Thekenschlampe (lieb gemeint, Dani) für die Niederlage meines Vereins im Borussen-Duell aufziehen ließ.
Bei A Place To Bury Strangers gab es dann akustisch und optisch die volle Dröhnung. Nur von einem seitlich justierten Strobelight illuminiert, sorgte das Trio gleich von Beginn an für einen infernalischen Sound. Es war unglaublich laut, jedoch zum Glück nicht jenseits der Schmerzgrenze, wie es Bob Mould früher mit Sugar teilweise hingekriegt hat. 45 Minuten lang wurde auf störende Kommunikation mit dem Publikum verzichtet, stattdessen wurde nonstop ein Feedback-Feuerwerk nach dem anderen abgebrannt mit dazu passenden Titeln wie Ego Death, To Fix The Gash In Your Head oder Exploding Head. Bei I Lived My Life To Stand In The Shadow Of Your Heart sezierte der Gitarrist dann saitenweise sein Instrument und es klang sogar noch gut dabei. Nach einer Dreiviertelstunde war Schluss, Zugabe gabs keine, aber das war auch absolut nicht nötig, denn besser gings nicht. Absolut erschlagen von dem Auftritt und mit Fiepen in den Ohren gings nach Hause.
Übrigens hatte das Pfeifen am Morgen danach aufgehört, auch wenn ich wie üblich keine Ohrenstöpsel getragen habe, von wegen also "lauteste Band der Welt". ;o)


Isobel Campbell & Mark Lanegan

Isobel Campbell & Mark Lanegan / Harper Simon

23.11.10 Zeche Carl, Essen

Vor zwei Jahren hatten die Schöne und das Biest im Frankfurter Mousonturm für eines der herausragenden Konzerte des Jahres gesorgt und daher war ich skeptisch, ob ich mir die zwei diesmal überhaupt ansehen sollte, denn der Auftritt von damals war eigentlich nicht zu überbieten.
Um 20:00 sollte es losgehen, doch in der Zeche Carl herrschte noch gähnende Leere, am Merchandise-Stand wackelte das zum Verkauf angebotene Mark Lanegan-Püppchen einsam vor sich hin und man hörte den Herren am Einlass sagen, dass Frau Campbell gerade vom Arzt zurück sei und der Auftritt definitiv stattfände.
Kurz nach halb Neun wanderte dann auf einmal jemand unentschlossen mit einer Gitarre durch die inzwischen leicht gefüllte Halle, um dann doch auf die Bühne zu kommen und eine halbe Stunde lang nette folkige Songs zu spielen, die überraschend gut beim Publikum ankamen, so dass sich Harper Simon ständig überschwänglich für den Applaus bedankte.
Nach einer längeren Umbaupause kamen dann endlich Isobel Campbell, Mark Lanegan und ihre vier Mitmusiker auf die Bühne und man merkte Frau Campbell an, dass sie leicht unpässlich war, obwohl sie ja eigentlich eh auf der Bühne immer leicht verloren wirkt. Im Gegensatz dazu war Herr Lanegan wieder die Konzentration selbst, klammerte sich wie üblich im Dunkeln (kein Spot war auf ihn gerichtet, im Rampenlicht sollten gefälligst andere stehen) an seinem Mikrofonständer fest und füllte mit seiner unglaublichen Stimme sofort den Raum.
Im Vordergrund standen diesmal natürlich die Stücke des neuen Albums Hawk und bei Come Undone kam zum ersten Mal Fremdscham in mir auf, denn neben mir in der ersten Reihe hatten sich einige penetrante Fans niedergelassen. Ich singe zwar durchaus auch gerne mal mit, weiß aber, dass ich es eigentlich nicht kann und versuche daher, vor allem bei ruhigeren Abenden wie diesem nicht lauter als die Künstler auf der Bühne zu sein. Bei Punkshows mag das ja noch egal sein, aber meiner Meinung nach nicht bei Konzerten, die gerade von der ruhigen Atmosphäre und den wunderbaren Stimmen der Protagonisten leben. Nun, bei besagtem Come Undone war die Frau neben mir (ihr Pegel: vier Bier in ca. 45 Minuten) jedenfalls lauter als Isobel auf der Bühne. Aber übertroffen wurde sie von dem Mark Lanegan-Fan neben ihr (sein Pegel: geschätzte 10 Bier in 90 Minuten), der mit zunehmender Dauer immer lauter wurde, Rockposen präsentierte und auch noch direkt vor der Bühne und der sichtlich darüber nicht begeisterten, da ja erkälteten Frau Campbell rauchte, was er vorher auch schon seiner Begleitung angekündigt hatte, da Mark Lanegan ja selber auch ständig qualme.
Lanegan selber ließ sich stoisch nichts anmerken, Isobel quälte sich tapfer durchs Set und zum Glück hielt der Vollhorst wenigstens bei der traumhaft schönen Zugabe (Do You Wanna) Come Walk With Me ausnahmsweise mal die Fresse.
Unter diesen Umständen war es am Ende sicher kein gutes Konzert, aber Frau Campbell sei es verziehen und auch noch mal nachträglich gute Besserung gewünscht.
 

Therapy?

Therapy?

17.11.10 Essigfabrik, Köln

Schon wieder in Köln? Therapy? hatten doch erst im August im kleineren Underground gespielt, was soll das?
Doch diesmal hatte der Abend ein Motto, eine "Special Troublegum Show" stand an. 1994 wurde das bisher herausragendste Album der Band veröffentlicht und sollte daher im Rahmen einiger weniger Konzerte in Europa komplett gespielt werden.
Doch zunächst musste man ja an diesem Mittwoch überhaupt Köln erreichen. Dank eines Unfalls ging auf der A1 schon Kilometer vor dem Kreuz Leverkusen nichts mehr und die von Therapy? angekündigte Auftrittszeit von 21:10 (!) rückte immer näher. Um Viertel nach Neun betraten wir gehetzt die Halle (Kamera dabei natürlich im Auto vergessen), hatten zum Glück nur die Vorgruppe Harmful verpasst und konnten sogar noch ein Bier mit den ebenfalls Stau geplagten Bekannten vom Getaddicted trinken, bevor es dann losging.
Während Therapy? in Brüssel das ca. 2000 Leute fassende Ancienne Belgique Wochen im voraus ausverkauft hatten, fanden sich in Köln nur ca. 500 Besucher ein, doch die zumeist älteren Semester waren in Partylaune und sangen auch direkt die ersten Zeilen von Knives mit. Während eigentlich die Hits von Troublegum seit Jahren fester Bestandteil der Setlist sind und in der Regel im hinteren Teil eines Konzerts auftauchen, ging es diesmal in der Tat chronologisch zur Sache und es war besonders schön, auch früher kaum gespielte Stücke wie Unrequited oder Brainsaw mal wieder zu hören. Beim Joy Division-Cover Isolation baute die Band dann die erste Strophe und den Refrain von Loose ein, das - obwohl von Infernal Love -  auch bereits auf der Troublegum-Tour live gespielt worden war.
Nach der musikalischen Pflicht ertönte You Are My Sunshine aus den Boxen und es gab eine kleine Pause.
Was konnte die Kür denn nun noch bringen? Nun, noch ältere Hits zum Beispiel und so spielten die vier (den im Hintergrund eher verdeckt Gitarre spielenden Roadie zähle ich inzwischen als Bestandteil der Liveband dazu) zu Beginn des zweiten Teils auch gleich Meat Abstract, Nausea und Fantasy Bag hintereinander weg. Zwischendurch gabs dann auch mal neuere Songs wie Rust oder Exiles neben weiteren Klassikern wie Stories und Potato Junkie und als Rausschmeißer nach fast 100 Minuten diente dann Innocent X und beendete ein sehr gutes, zumal von der Setlist her so nicht wiederkehrendes Therapy?-Konzert.
Zum Abschluss noch ein Dank an alle Kölner Konzertveranstalter, die es dank eines massiven Überangebots an sehenswerten Shows an diesem Abend geschafft haben, dass ich reichlich Geld gespart habe. Denn parallel zu Therapy? gastierten The National im E-Werk, The Riot Before im Aetherblissement und Les Savy Fav im Gebäude 9. Von letzterer Location holten wir dann noch meine Freundin ab, die schwer begeistert von Tim Harrington im weißen Kleid, Polonaisen aus der Halle über den Vorhof und ständigen Überfällen des Dickerchens aufs Publikum berichtete.

Giant Sand

Giant Sand / Lonna Kelley

15.11.10 Gleis 22, Münster

Herzlichen Glückwunsch, Howe Gelb! Zum 25jährigen Jubiläum seiner Band Giant Sand ging der Grandseigneur des Wüstenrock mal wieder auf Deutschland-Tour und hatte auch gleich ein neues Album im Gepäck.
Doch zuerst kam die verschüchtert wirkende Lonna Kelley auf die Bühne, um 20 Minuten lang mit ihren Songs das Publikum einzustimmen. Unterstützt wurde sie dabei von denselben dänischen Musikern, die nun bereits seit Jahren das neue Gerüst Giant Sands ausmachen, seit damals Joey Burns und John Convertino die Band verließen, um mit Calexico größere Hallen zu füllen. Dabei wirkte die Band noch nicht so eingespielt mit der jungen Amerikanerin, denn der Gitarrist musste sich z. B. erkundigen, welches seiner Instrumente er denn bei einem Lied spielen solle. 
Als dann nach kurzer Umbaupause der Meister selber mit modischem Hütchen die Bühne betrat, sah man sofort, wessen Musiker die vier Dänen sind. Ständig wurde Blickkontakt mit Howe Gelb gesucht, um auf seine Ideen adäquat zu reagieren. Eine Setlist schien es nicht zu geben, aber nach wenigen Takten schienen alle zu wissen, welchen Song als nächstes dran war. Bei einem Fundus von ca. 27 Alben ist es eigentlich für den Nicht-Experten Glücksache, wenn er Lieder wiedererkennt, aber gleichzeitig macht dies Giant Sand-Konzerte auch so unberechenbar gut. In Münster war Howe zum Beispiel nicht so sehr auf Alleinunterhaltung am Piano aus, was schon so manch anderen Auftritt in der Vergangenheit etwas zäh wirken ließ. Nein, er rockte deutlich mehr wie zu früheren Zeiten, nutzte zwar den bereitgestellten Stuhl als Sitzgelegenheit, hibbelte aber selbst dabei wie ein Zappelphilipp herum und verknotete fast seine Beine um die des Stuhls.
Vor der ersten Zugabe erwähnte Howe dann fast beiläufig, dass Giant Sand ja ein Vierteljahrhundert zu feiern hätten, um dann direkt hintereinander zwei ganz alte Klassiker mit Valley Of Rain und Thin Line Man zu spielen. Letzteres ist übrigens auch auf dem aktuellen Album Blurry Blue Mountain erneut zu hören, womit sich der Kreis quasi schließt.
Nach über 90 Minuten eines der deutlich besseren Giant Sand-Konzerte der letzten Jahre lüftete Herr Gelb dann artig seinen Hut und bedankte sich beim "Track 22" für den netten Abend. Wir haben zu danken.


Freitag, 12. November 2010

Nomeansno

Nomeansno / The Pack A.D.

11.11.10 Zwischenfall, Bochum

In den letzten Jahren ist es schon beinahe Tradition geworden, dass Nomeansno zweimal Europa besuchen und so gab es nach dem Auftritt in Oberhausen im April ein Wiedersehen mit den drei rüstigen Kanadiern.
Erneut begleitete sie das ebenfalls aus Kanada stammende Frauenduo The Pack A.D., die es erneut mühelos schafften, das Publikum mit ihrer Mischung aus Sleater-Kinney-Blues und Garagenrock à la frühe Hives zu begeistern. Die Schlagzeugerin schaffte es direkt im ersten Stück, das Fell ihrer Snare zu zerschmettern, so dass Nomeansno-Schlagzeuger John Wright als Drum Tech in die Bresche sprang und ihr seine Snare lieh, während er dann schnell ihre neu bespannte. Das Publikum hatte Lust auf mehr, aber der enge Zeitplan mit einem vorgesehenen Konzertende um 23 Uhr ließ dies leider nicht zu.


Die alten Herren von Nomeansno beeilten sich danach mit dem Umbau, um kurz nach halb zehn wie schon im Druckluft mit Old von der neuen Tour EP No. 1 zu beginnen. Dieses Mal spielten sie die EP komplett und vor allem Something Dark Against Something Light mit seinem orientalischen Rhythmus war für mich ein Highlight des Abends wie auch das herrliche Metronome. Mit einer Zugabe aus Victory und Body Bag machten sie dann um Punkt elf Schluss.
Im Umgang mit dem Publikum zeigten sie sich gut gelaunt wie immer, nur die Fotografen hatten es etwas schwieriger heute. Einer von ihnen hatte sich direkt beim ersten Lied auf die Bühne gesetzt, um bessere Motive zu bekommen und reagierte nicht sofort, als ihn Bassist Rob Wright kurz bat, dies zu unterlassen, woraufhin er im wahrsten Sinne des Wortes von ihm weggekickt wurde. In einer kurzen Stimmpause erklärte dann Gitarrist Tom Holliston, dass die Band nichts gegen Fotografen habe und jeder gerne Bilder machen könne, die Leute aber bitte dabei die Band auf der Bühne nicht stören und ihr vor allem den Platz auf dieser lassen solle. Als dann die Band doch noch einmal zu einer zweiten Zugabe herauskam, ahnte man Böses, als ein sichtlich betrunkener Fan auf die Bühne wankte, schnurstracks ans Mikro ging und allen erklärte, dass seine Frau weg sei, er kein Geld mehr habe und sich nun ausziehen wolle. Doch Rob reagierte gelassen, ließ ihn gewähren, begann das letzte Lied des Abends und drängte ihn dabei sanft von der Bühne, wobei ihm der Rest des Publikums half und den armen Tropf anschließend daran hinderte, wieder zurück aufs Podest zu kommen. 
Stattdessen gab es dann mit Now ein grandioses Finale, bei dem das ganze Zwischenfall eine ausgelassene Party feierte.

Montag, 1. November 2010

Samiam

Westend Indoor 2010

w/ Alexisonfire / Samiam / The Casting Out / Escapado

31.10.10 FZW, Dortmund

Wie Aereogramme / The Unwinding Hours hatten auch Samiam schon 2003 bei der Geburt das Westend Festival in Dortmund auf der Bühne gestanden und spannten so quasi erneut den Bogen zwischen damals und heute.
Escapado hatten in dem Jahr gerade ihre erste Single veröffentlicht. Da Screamo nicht so mein Ding ist, missbrauchte ich sie kaltschnäuzig als Hintergrundmusik für nettes Geplauder beim Bierchen im Foyer.
Danach präsentierten sich The Casting Out auf ihrer Abschiedstour gutgelaunt und Nathan Gray als Flummi auf der großen Bühne. Wie schon im Mai in Wiesbaden aber konnten sie nicht 100%ig überzeugen, da ihre Songs dafür einfach nicht abwechslungsreich genug sind. Boysetsfire-Stücke wurden natürlich nicht gespielt, dafür gibts ja schließlich bald die Reunion.
Samiam sind mal wieder in Europa auf großer Tournee, allerdings ohne neues Album, sondern mit einer Sammlung von Live-Aufnahmen und Raritäten im Gepäck. aber im Interview mit den geschätzten Kollegen von Getaddicted verrieten sie, dass eine CD in Planung sei. Also boten sie wie schon auf den letzten Touren einen Querschnitt ihrer Hits vor allem aus den späteren Jahren und auch optisch ist Gitarrist Sean seinem schaurig-schönen Porno-Schnäuzer treu geblieben.
Der Auftritt steigerte sich zum Ende hin immer mehr, als endlich die Kracher von Clumsy und You Are Freaking Me Out gespielt wurden und auch wenn heimliche Hoffnungen auf ganz alte Lieblinge wie Sky Flying By oder Home Sweet Home nicht erfüllt wurden, gab es mit Clean endlich mal wieder was von Soar zu hören. Dabei wirkte die Band im sehr gut besuchten FZW deutlich spielfreudiger als zuletzt auf ihrer Tour 2007, so dass mein 15. Samiam-Konzert bei weitem nicht das schlechteste war.
Alexisonfire in ihren freakigen Halloween-Outfits schaute ich mir dann noch 20 Minuten an, aber auch sie sind nicht so mein Ding, so dass ich nach dem achten Konzertabend in Folge und dem ersten Arbeitstag nach einer Woche Urlaub vor der Brust es vorzog, mich frühzeitig auf den Heimweg zu machen.

Setlist Samiam:
Sunshine
Get It Right
Wisconsin
Super Brava
Mud Hill
Mexico
Dull
Take Care
Stepson
Factory
When We're Together
She Found You
Capsized
Clean
Full On

Sonntag, 31. Oktober 2010

The Unwinding Hours - Herbsttour, Teil 8

The Unwinding Hours / Incense

30.10.10 W2, 's-Hertogenbosch

In Holland begann die Rundreise und in Holland endete sie auch. Zum Abschluss ihrer kleinen Tour spielten The Unwinding Hours im niederländischen 's-Hertogenbosch.
Vorgruppe waren Incense aus Delft, die eine exklusive Reunion-Show spielten. Ihr eher langsamer Gitarrenrock erinnerte teilweise an Motorpsycho oder ihre Landsmänner Alabama Kids, haute einen aber nicht wirklich vom Hocker.
Als Headliner im kleinen Club spielten dann The Unwinding Hours wieder ihr gewohntes Set, also mit Traces und Solstice und The Art Of Belief als Zugabe. Craig widmete zudem The Final Hour ihrem Soundmann Achim, den sie sich quasi von Instrument für die Woche ausgeliehen hatten, weil Stammbesetzung Jonnie familiär verhindert war, denn er habe es geschafft "that some Germans shat their pants" am Abend zuvor in Dortmund bei diesem Lied.
Am Ende möchte ich mich noch einmal bei allen bedanken, die die letzte Woche zu einem wunderbaren Urlaub gemacht haben, allen Freunden, die hier und da dabei waren, den Jungs von Instrument und natürlich Craig, Iain, Graeme, Jonny, Brendan und Simon.
Bis hoffentlich bald.


Simon, der alles verkauft, manchmal auch Hot Dogs

Samstag, 30. Oktober 2010

The Unwinding Hours - Herbsttour, Teil 7

Westend Indoor 2010

w/ Shout Out Louds / The Unwinding Hours / Instrument / Beat! Beat! Beat!

29.10.10 FZW, Dortmund

Nachdem VISIONS 2003 mal das Westend Festival im Dortmunder Revierpark Wischlingen veranstaltet hatte (damals übrigens mit Aereogramme im Line Up), ließen sie dieses Wochenende das Festival an drei Abenden im FZW wieder aufleben.
Als erstes spielten Beat! Beat! Beat! und wurden zu Recht für ihren langweiligen Indiedancepopirgendwas ignoriert.
Bei Instrument, die für die verhinderten Hot Hot Heat eingesprungen waren, konnte man dann schon ahnen, was einem später blühen würde: die meisten Leute waren nicht zum Zuhören da, sondern nutzten die Bands als Hintergrundmusik für ihre Gespräche.
The Unwinding Hours spielten ein verkürztes Set und ließen Traces und den "Zugabenteil" aus. Eine gute Wahl, denn gerade bei den ruhigen Stücken wie There Are Worse Things Than Being Alone war der Geräuschpegel geradezu unerträglich hoch. Hey Kiddies, man kann seine Schulprobleme auch an der Theke oder im Vorraum besprechen und muss das nicht in der zweiten Reihe vor der Bühne während des Auftritts einer Band tun. Dementsprechend wirkten die Schotten auch leicht angepisst und beendeten mit der wohl aggressivsten Version von The Final Hour auf dieser Tour ihr kurzes Set. Ach ja, Sound und vor allem Licht waren natürlich in der großen Halle sehr gut und auch die Kameras vom WDR filmten den Abend für den Rockpalast mit, so dass man demnächst The Unwinding Hours mal im Fernsehen erleben darf.
Shout Out Louds brachten dann als Headliner die Teenieherzen zum Schmelzen, aber da hatte ich schon keinen Bock mehr auf ihre ja eigentlich ganz nette Musik.
In 's-Hertrogenbosch wird dann im bestimmt intimen Kreis gemütlich die Tour beendet.

Setlist:
Knut
Tightrope
New
There Are Worse Things Than Being Alone
Peaceful Liquid Shell
Child
Annie Jane
The Final Hour

Freitag, 29. Oktober 2010

The Unwinding Hours - Herbsttour, Teil 6

The Unwinding Hours / Instrument

28.10.10 Hafen 2, Offenbach

Nach dem Stuttgart-Konzert fuhr ich nachts noch nach Neu-Isenburg zu meiner Freundin und erholte mich den ganzen Tag im Bett, während sie arbeiten musste. Abends ging es dann ins benachbarte Offenbach zum Konzert. Heute waren zusätzlich noch Natureboy am Start, die jedoch direkt aus Italien anreisten und daher erst so spät ankamen, dass doch zunächst Instrument und The Unwinding Hours auftraten.
Beide spielten zwar souverän, aber man merkte ihnen doch ein wenig die Müdigkeit von der langen Nacht zuvor an, als sie in Stuttgart noch bis um fünf gefeiert haben sollen.
Durch die Verspätung von Natureboy ließ Craig diesmal Burning River ausfallen, damit die Amerikaner nicht noch später auf die Bühne gehen mussten, da es schon nach halb zwölf war.
Ich schenkte mir daher auch deren Auftritt und fuhr zurück ins warme Bettchen, bevor nun der bislang größte Auftritt in Dortmund beim Westend Indoor Festival und der Tourabschluss in 's-Hertogenbosch anstehen.

The Unwinding Hours - Herbsttour, Teil 5

The Unwinding Hours / Instrument

27.10.10 Schocken, Stuttgart

Nach viereinhalb Stunden Zugfahrt in Stuttgart angekommen, erwarteten mich zwar mehr Polizisten als üblich an einem deutschen Bahnhof, aber da zum Glück ausnahmsweise mal keine Demo gegen das Stuttgart21-Projekt stattfand, konnte man unbehelligt und problemlos durch die Fußgängerzone zum Club Schocken schlendern.
Der kleine Laden war sehr gut gefüllt und so spielten Instrument dann ihr bislang bestes Konzert der Tour, unglaublich druckvoll und mit sichtlich viel Vergnügen.

Und auch The Unwinding Hours zeigten sich danach in ebenso glänzender Tagesform und legten ebenfalls das bisherige Tourhighlight hin. Als ob der parallel zum Konzert stattfindende Sieg von Borussia Mönchengladbach im Elfmeterschießen gegen Leverkusen (mein erstes verpasstes Heimspiel seit Jahren) nicht schon genug Anlass zur zusätzlichen Freude bot, gab es im Set auch noch ein besonderes Schmankerl. In Bielefeld hatte mich Craig gefragt, welchen Song ich denn unbedingt mal hören wolle und ich hatte ihm The Ocean Red genannt. Und prompt spielte er dieses Lied auch im Akustikteil nach Burning River, wofür ich ihm gar nicht genug danken kann.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

The Unwinding Hours - Herbsttour, Teil 4

The Unwinding Hours / Instrument

26.10.10 Forum, Bielefeld

Bielefeld hat ja den Ruf, so verschlafen zu sein, dass manche sogar die Existenz dieses Ortes leugnen. Auch heute tat die Stadt nichts, dieses Klischee zu widerlegen.
Gegen 20:10 kam ich am Forum an und fragte mich, ob das Konzert überhaupt stattfände, denn der Club war stockduster und außer mir lungerte auch niemand vor der Tür herum, doch pünktlich um halb neun erhellten die Scheinwerfer plötzlich den Schottervorplatz und die Tore öffneten sich.
Instrument begannen dann um 21:15 gewohnt schüchtern und wieder haute mich Sad Rider mit seinen Tortoise-haften Elektroniksprengseln um.
Craigs Stimme war wieder die alte und The Unwinding Hours spielten ihr gewohntes Set. Nur bei der Zugabe (ja, diesmal machten sie doch nach The Final Hour eine kurze Kunstpause) gab es eine kleine Änderung, denn Craig spielte zuerst Burning River, da Keyboarder Brendan noch nicht so weit war, um ihn bei Solstice zu unterstützen. Der Sound war nach Glasgow der bislang beste auf der Tour, so dass vor allem Iains Gitarre dann die heutige Version von The Art Of Belief zum Höhepunkt des Abends machte.
Danach ging es schnell um die Ecke zum Bahnhof, um den letzten Zug nach Hause zu erwischen und so ungewohnte zwei Nächte in Folge im eigenen Bett zu verbringen, bevor dann die Reise nach Stuttgart führt.

Dienstag, 26. Oktober 2010

The Unwinding Hours - Herbsttour, Teil 3

The Unwinding Hours / Instrument

25.10.10 Lagerhaus, Bremen

Eine ruhige Zugfahrt von Utrecht nach Bremen und ein entspannter Nachmittag am Weserufer und abends dann das Konzert im sehr schönen Lagerhaus, die Reise ging weiter.
Dabei entpuppte sich der Norddeutsche an sich als durchaus angenehm merkwürdiges Wesen. Vor dem Eingang zum Lagerhaus fragte mich jemand "Are You Iain Cook?", was ich mal als wenig schmeichelhaft für den doch viel jüngeren Gitarristen bewerte. Und als ich am Einlass sagte, ich stünde auf der Gästeliste der Unwinding Hours, antwortete mir der nette Mensch "Och, die haben wir noch gar nicht, aber ich glaube dir" und ließ mich einfach so rein (nein, das soll kein Tipp für zukünftige Konzerte dort sein, um sich ein Ticket zu erschleichen).
Instrument aus München und Augsburg waren auch wieder am start, um wie schon im April für die Deutschland-Termine den Opener zu machen. Dabei überzeugte vor allem Sad Rider, den es leider exklusiv nur auf der Vinylausgabe ihres Albums zu hören gibt.
The Unwinding Hours kehrten diesmal zum bewährten Ablauf zurück und packten den Akustikteil zwischen die Kracher The Final Hour und The Art Of Belief. Und obwohl Craigs Stimme angeschlagen wirkte, ließ er es sich dennoch nicht nehmen und spielte nach Solstice noch Burning River solo. Ach ja, außerdem verriet Craig noch, dass Annie Jane eigentlich anders heißen sollte, bis ihn Bassist Graeme darauf aufmerksam machte, dass es bereits ein Lied von Chris De Burgh gleichen Namens gäbe.
Schönen Dank, dass ich nun einen Ohrwurm namens Ship To Shore habe.

Setlist:
Knut
Tightrope
New
There Are Worse Things Than Being Alone
Traces
Peaceful Liquid Shell
Child
Annie Jane
The Final Hour
Solstice
Burning River
The Art Of Belief

The Unwinding Hours - Herbsttour, Teil 2

The Unwinding Hours / Eins, Zwei Orchestra

24.10.10 Ekko, Utrecht

Nach dem grandiosen Auftritt in Glasgow begann nun die einwöchige Europatour, na ja eigentlich Holland- und Deutschland-Tournee. Dabei spielten The Unwinding Hours in Utrecht ihr allererstes Konzert in den Niederlanden.
Vorgruppe waren die sehr guten Eins, Zwei Orchestra, zwei Niederländer, die ihren für holländische Verhältnisse ungewöhnlichen Bandnamen als Hommage auf ihre Inspirationsquelle Friedensreich Hundertwasser gewählt haben. Live zu sechst überzeugten sie durch einen entsprechend fetten Sound und eingängigen Indiepop inklusive einer Coverversion von 1979 von den Smashing Pumpkins.
The Unwinding Hours spielten dann gewohnt souverän ihr Set, das sie gegenüber dem Auftritt im Oran Mor nur unwesentlich veränderten. Der auf der Glasgower Setlist noch Oxygen betitelte neue Song wurde als noch unbenannt deklariert (auf der Setlist wurde er auch nur als New geführt) und es gab keine Zugabe im eigentlichen Sinne. Nachdem Craig erklärte, dass sie auf den üblichen Konzertritus (Band von der Bühne - Applaus - Band wieder rauf auf die Bühne) keinen Bock hätten, spielten sie nach The Final Hour sofort The Art Of Belief, bevor dann Craig mit der akustischen Klampfe Solstice als Schlusspunkt darbot.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

The Unwinding Hours - Herbsttour, Teil 1

The Unwinding Hours / The Twilight Sad / RM Hubbert

17.10.10 Oran Mor, Glasgow

Mein dritter Besuch in Glasgow dieses Jahr, da musste dieses Mal doch etwas Abwechslung rein. Und so entschloss ich mich, nach 23 Jahren mal wieder dem Tannadice Park einen Besuch abzustatten, um mir mittags das Spiel von Dundee United gegen Celtic anzuschauen.


Abends gings dann ins Auditorium des Oran Mor, einem der wohl schönsten Konzertsäle, in denen ich je war. Das Auditorium befindet sich im ersten Stock einer alten Kirche und diese geradezu sakrale Atmosphäre sollte sich auch mehr als positiv auf die Bands auswirken.
Zu Beginn zauberte RM Hubbert instrumentale Kleinode aus seiner Gitarre hervor. Danach spielten dann The Twilight Sad in reduzierter Besetzung (nur Gitarrist Andy und Sänger James) ein akustisches Set, in dem natürlich die herausragende Stimme von James Graham besonders zur Geltung kam. Insbesondere Cold Days From The Birdhouse rief bei den Zuschauern eine Gänsehaut hervor und sorgte für andächtige Stille. Zudem wurde als Schmankerl auch noch Half A Person von The Smiths gecovert.


Für The Unwinding Hours war es dann ihr vorerst letzter Auftritt in ihrer Heimatstadt und zugleich der Auftakt für eine kurze Tour, die sie (und damit auch mich) nächste Woche durch Holland und Deutschland führt.
Was würde anders im Vergleich zu ihrer ersten Reise im April sein? Knut rutschte an den Anfang des Sets und mit Oxygen wurde ein brandneues Lied zum ersten Mal gespielt, ihr bislang poppigster und schnellster Song, wofür Craig sich auch gleich entschuldigte, ist man doch von ihm sonst eher Musik in Moll gewohnt. Danach ging es dann mit Stücken vom Album weiter, wobei an diesem Abend besonders Schlagzeuger Johnny Scott in Hochform war. Peaceful Liquid Shell ist und bleibt live ein absolutes Highlight mit dem herrlich beschwingten Bass von Graeme Smillie und The Final Hour setzte dann wieder den bombastischen Schlusspunkt unter das reguläre Set.
Zur Zugabe erschien zunächst nur Craig und spielte (ebenfalls eine Premiere) Burning River, das vielleicht schönste Lied der Tour EP. Danach gesellte sich RM Hubbert mit auf die Bühne, um Spirit Ditch von Sparklehorse zu covern, das sie für das Benefiz-Projekt The Steinberg Principle aufgenommen haben. Wer ein gutes Werk tun möchte, kann den Song hier käuflich erwerben. Den Abschluss eines wunderbaren Konzertabends bildete dann wieder der alte Aereogramme-Kracher The Art Of Belief.
Bei einigen Laphroaig liessen wir dann noch den Abend bis in den frühen Morgen gemütlich ausklingen.

Setlist:
Knut
Tightrope
Oxygen
There Are Worse Things Than Being Alone
Traces
Peaceful Liquid Shell
Child
Annie Jane
The Final Hour
--------------------------
Burning River
Spirit Ditch
The Art Of Belief

RVIVR

Deny Everything / RVIVR / Krawehl

15.10.10 Aetherblissement, Köln

Deny Everything bei ihrem letzten Heimspiel vor der Auflösung im ehemaligen Club Scheisse in Köln, da war der Laden natürlich ausverkauft (ich hoffe, ich kann das auch mal über den FC schreiben).
Den Auftakt machten gegen halb zehn Krawehl, die ostwestfälischen Captain Planet. Das sagt eigentlich alles und auch nichts Schlechtes zu ihrer Musik.
Danach kam dann mein Grund, diesen Abend in Köln zu verbringen. Latterman sind bekanntlich Geschichte, dafür gehört RVIVR die Zukunft. Sie klingen auf ihren Veröffentlichungen (bislang zwei Singles, ein Album und eine brandneue EP) wie eine jugendliche, punkige Ausgabe von Superchunk und da die gerade mit ihrem neuen Album Majesty Shredding ihren dritten Frühling erleben, sind das fast schon unerfüllbare Vorschusslorbeeren.
Doch RVIVR wurden ihnen geradezu spielerisch gerecht, schrien und rockten sich gut 35 Minuten durch ihr Set mit Hits wie Cut The Cord, dass die Temperaturen im engen Aetherblissement Richtung Hochsommer gingen. Das Schlagzeug wurde schon abgebaut, doch die Leute wollten noch mehr, so dass nach kurzem Wiederaufbau noch Real Mean gespielt wurde.
Wer die Band noch nicht kennt, sollte sich unbedingt ihre Platten gratis von ihrer Label-Website Rumbletowne Records runterladen.
Der Auftritt von RVIVR konnte nicht mehr getoppt werden, so dass ich mich nach zwei Songs von Deny Everything auf den Heimweg machte.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Dead To Me

Dead To Me / 51st Degree

09.10.10 Café Nova, Essen

Vor gut einem Jahr waren Dead To Me noch zu dritt und veröffentlichten ihr zweites Album African Elephants. Und sie entwickelten sich deutlich weiter von dem zwar guten, aber doch recht konventionellen Debütalbum. So erinnerten sie mich beim ersten Hören an angepunkte Pixies von der Vielfalt der Lieder her.
Nun sind sie wieder ein Quartett und gaben in Essen das Abschlusskonzert ihrer vierwöchigen Europatournee. Dennoch zeigten sie keine Spur von Müdigkeit und spielten eine knappe Stunde lang Stücke aus allen Schaffensphasen inklusive zweier Songs von der zur Tour zunächst exklusiv in Europa erschienenen neuen Single. Wie die fiel das Set deutlicher rockiger aus als African Elephants. Dennoch gab es den Clash-inspirierten Opener X, eingeleitet mit einer Hasstirade des Sängers gegen Arizonas Immigranten-Politik und natürlich Liebe Liese mit deutschen Textzeilen. Insgesamt ein sehr gutes Konzert, auch wenn zwei meiner Favoriten, Bad Friends und das poppige Cruel World, nicht gespielt wurden.
Ach ja, so ein Tourabschluss hat auch was Gutes, denn nach dem Motto "Alles muss raus" verkauften die Jungs zwei T-Shirts für 'nen Zehner, danke.

Kaput Krauts

Kaput Krauts / Septic Dieter

08.10.10 AK 47, Düsseldorf

Deutschpunk-Abend im AK 47. Na ja, zumindest aggressive Rockmusik mit deutschen Texten. 
Nachdem Septic Dieter (ein schöner Name, hinter dem die Musik der Band leider zurückblieb) munter vor sich hin geprügelt hatten, fingen die Kaput Krauts gegen halb zwölf endlich an.
Ein Gitarrist mit Iro, der Bassist ein Farin Urlaub-Double, doch dann hörten die Klischees schon auf. Das ...But Alive-Shirt des Sängers deutete an, dass man seine Worte sorgsam wählt; siehe Titel wie Gemütlichkeitspunk's Not Dead oder Emo Ergo Sum. Und mit Glaube, Liebe, Hoffnung haben sie zudem eines der schönsten Liebeslieder der letzten Jahre am Start.
Erinnern sie textlich halt an die ehemaligen Hamburger IQ-Punks, aus denen dann bekanntlich das subversive Teenie-Theater Kettcar wurde oder auch an die Boxhamsters, gerade was Zitierfreude und Verwenden schicker Samples betrifft, so sind sie musikalisch deutlich härter und rockiger, halt mehr Leatherface und Oma Hans.
Aber ein gutes Konzert sollte auch Spaß machen und den verbreiteten die fünf Jungs reichlich. Fast ständig turnte zumindest der Sänger vor der Bühne rum, war aber auch ziemlich eng zu fünft im kleinen AK 47 und ständig zogen sie sich gegenseitig auf. Und als der Busfahrer der Band dem Bassisten mal einfach so eine Flasche Bier in den Hosenbund entleerte, setzte kollektives Hopfengespritze ein.
Nach einer guten Stunde war Schicht und nach Eau de Alt duftend gings nach Hause.

Sonntag, 3. Oktober 2010

Gifts From Enola

Gifts From Enola / The Shaking Senasations

27.09.10 Druckluft, Oberhausen

Post-Rock nennt man das in der Regel, wenn Bands Musik mit elektrisch verstärkten Gitarren machen, aber zu wenig zu sagen haben, als dass es sich für Gesang lohnt.
Klassische Vertreter dieses Genres sind z. B. Mogwai aus Glasgow, die in ihren epischen Stücken nicht nur dicke Gitarrenwände aufbauen, sondern zwischendurch auch mal ruhigere Momente verspielten Saitenzupfens im Repertoire haben. Ihre dänischen Brüder im Geiste heißen The Shaking Sensations und eröffneten den musikalischen Abend im Café des Druckluft, wo sich bei lausigem Herbstwetter nur ca. 30 Leute eingefunden hatten.
Und die wunderten sich über das ungewöhnliche Line-Up mit zwei Schlagzeugen, die zwar für einen entsprechend fetten Sound sorgten, aber gerade wegen des getrageneren Tempos nicht wirklich zwingend erforderlich waren. So konnte man denn auch einen der beiden Schlagwerker regelmäßig beim Sortieren seiner Drumsticks beobachten, weil es für ihn nichts zu tun gab. Nichtsdestotrotz gefiel die Musik der fünf jungen Skandinavier, die auch über genug Selbstironie verfügen, ihrem bislang unveröffentlichten Debütalbum den Arbeitstitel Crippled Black Phoenix zu geben.
Die vier Amerikaner von Gifts From Enola haben gerade ihr bereits drittes Album veröffentlicht und sind zum ersten Mal in Europa auf Tour. Dabei geht bei ihrer Musik so sehr die Post ab, dass man sie einfach nur als Rock bezeichnen sollte. Hier hatte der Drummer keine Zeit zum Verschnaufen und direkt vom ersten Stück an versprühten die Jungs eine Energie, wie man sie eher von Post-Hardcore-Combos wie Thrice gewöhnt ist. Gelegentlich schrie der Bassist sich sogar die Seele aus dem Leib, ohne sich groß darum zu kümmern, wo eigentlich sein Mikro stand. Gut eine Stunde spielten sie Songs von allen Alben und bedankten sich schüchtern beim nicht enden wollenden Applaus des spärlichen, aber begeisterten Publikums. Sogar eine Zugabe zauberten sie nach kurzer Pinkelpause aus dem Hut und beendeten mit dem viertelstündigen Trieste ein großartiges Konzert.

Montag, 13. September 2010

Off With Their Heads

Off With Their Heads / Deny Everything

04.09.10 Bla, Bonn

Punk in Bonn, das klingt so passend wie Köln und "guter Fußball". Aber manchmal geht das doch zusammen. Ich war bislnag einmal im Bla, vor sechs Jahren bei der letzten Deutschland-Tour von J Church und seitdem hat sich der kleine, sympathische Laden nicht verändert.
Den Auftakt machten Deny Everything aus Köln mit ihren kurzen Songs á la Shook Ones. Sie sind gerade auf Abschiedsreise, da sie sich Ende Oktober auflösen werden. Und so waren auch einige vor Ort, um noch einmal so richtig mit ihnen abzurocken. Gut wars.
Off With Their Heads spielten ihr einziges Deutschland-Konzert und waren die bisherigen Auftritte hierzulande eher spärlich besucht und das Publikum doch sehr zurückhaltend, so scheinen sie sich mit ihrem neuen Album In Desolation viele neue Freunde gemacht zu haben, denn von Beginn an tobte der Mob im engen Raum und gröhlte lauthals mit und das nicht nur bei den neuen Hits wie Trying To Breathe oder Clear The Air, sondern auch bei Klassikern wie Fuck This I'm Out, I Am You oder Die Today. Nach 45 Schweiß treibenden Minuten war dann Schluß und bewiesen, dass man eher ein geiles Punkkonzert in Bonn zu sehen kriegt als guten Fußball in Köln.
Ach ja, Ryan, mein Allroy Saves...-Shirt ist wirklich so alt, wie es aussieht.

Therapy?

Therapy? / Dioramic

12.08.10 Underground, Köln

Das dritte Mal in Folge spielten Therapy? im Underground. Die Vorband Dioramic hörte man auch draußen im Biergarten und das reichte vollkommen aus.
Der Auftritt in Köln wurde zwischen einige Festivalshows gequetscht, einige mit dem Motto "Special Troublegum Show", so dass auch hier massig alte Hits zu erwarten waren. Und so kam es denn auch. Hellbelly als Auftakt machte gleich richtig Laune und mit Epilepsy und FemtexPeanut-Song singen, spielten Gloria von Van Morrison an und zitierten auch Blue Oyster Cult's Don't Fear The Reaper. Außerdem hatten sie ihre legendären Punk Floyd-Shirts im Gepäck, ein Pflichtkauf nach dem Konzert. hatten die drei Nordiren sogar zwei Live-Raritäten (zumindest in den letzten Jahren) im Programm. Überhaupt zeigten sie sich äußerst gut gelaunt, ließen Diamond Dave, ihren Merchandise-Verkäufer einen seltsamen
Im November sind sie dann wieder in Köln, diesmal in der Essigfabrik und dann wird es tatsächlich eine Troublegum-Show, in der sie das Album dann komplett spielen werden.

Setlist:
Hellbelly
Opal Mantra
Stop It You’re Killing Me
Teethgrinder
Enjoy The Struggle
I Told You I Was Ill
Epilepsy
Stories
Lunacy Booth
Femtex
Exiles
Rust
Die Like A Motherfucker
Meat Abstract
Potato Junkie
Knives
Screamager
Crooked Timber
---------------------------------
Turn
Diane
Nowhere
Die Laughing

Phono Pop Festival

5. Phono Pop Festival

w/ Get Well Soon / Japandroids / Turbostaat / Trip Fontaine / Health / Urlaub In Polen

09.07.10 Opel-Gelände, Rüsselsheim

Ein nettes kleines Festival direkt am Rüsselsheimer Bahnhof im Innenhof des Opel-Werksgeländes:

Urlaub In Polen
Sie lieferten die Hintergrundmusik, als ich ankam und erst einmal das Gelände abcheckte. Der Innenhof lieferte an diesem heißen Sommertag geügend Schatten, die Getränke waren günstig und gut gekühlt, das Publikum überschaubar und die Musikgut, es konnte also nur ein netter Abend werden.

Health
Trotz Soundproblemen, die vor allem dem Sänger gehörig auf die Nerven zu gehen schienen, war es ein gelungener Auftritt, weil einfach die Musik überragend ist. Gespielt wurde fast das komplette Get Color-Album und zum Abschluss gabs die neue Single USA Boys.

Trip Fontaine
Auch sie wurden als Hintergrundmusik missbraucht beim Schlendern über das Gelände und einem kleinen Imbiss.

Turbostaat
Sie klingen wie eine Mischung aus Oma Hans und Muff Potter und bewegen sich inzwischen so souverän auch auf größeren Festivalbühnen, dass man sie getrost als legitime Erben von letzteren bezeichnen kann und das nicht nur wegen der Bühnendeko mit Stehlampe.

Japandroids
Für mich das Highlight des Abends, brachten sie das kleine, zu den Seiten hin offene Zelt, das als zweite (Mini-)Bühne fungierte, locker zum Kochen. Klingt das kanadische Duo auf Platte manchmal etwas zu schrammelig, rockten sie live wie Hölle mit unglaublichem Hitpotential.

Get Well Soon
Ich mag sie nicht und ihr pathetischer Cinemascope-Sound bestätigte meine Meinung, zu schnarchig-getragen das alles, aber der ideale Abschluss, um die S-Bahn Richtung Frankfurt nicht zu verpassen.



Health

Montag, 6. September 2010

Willkommen in meiner Welt

Ab jetzt findet ihr hier Berichte zu den Konzerten, die ich besucht habe.

Bislang standen die auf meiner Myspace-Seite, aber wer benutzt heute noch Myspace. Aber damit der Blog zu Beginn nicht so leer aussieht, habe ich meine alten Posts hierhin kopiert.

Viel Vergnügen.

Sonntag, 5. September 2010

Against Me! (Posted Date: 26 May 2010, 05:26)

Against Me! / Findus

25.05.10 Luxor, Köln

Eine deutsche Band mit guten deutschen Texten, musikalisch irgendwo zwischen Oma Hans und den Goldenen Zitronen, das klingt doch gut? Nun, Findus klingen zwar nicht wirklich schlecht, ernten sogar angemessenen Applaus, aber eigentlich wollen alle im proppevollen, seit Wochen ausverkauften Luxor nur Against Me! sehen, die kurz vor Veröffentlichung ihres neuen Albums White Crosses auf kurzer Tour durch für sie eigentlich viel zu kleine Clubs sind.
Nach einer 45minütigen Umbaupause, in der eigentlich nur ein frischer Aufguss fehlte, um die Sauna-Atmosphäre perfekt zu machen, legten Against Me! dann gleich mit I Was A Teenage Anarchist und New Wave los und gaben damit direkt den Rahmen für die folgenden 70 Minuten vor, in denen sie hauptsächlich Songs der letzten beiden Alben spielten, von vereinzelten älteren Stücken wie Miami mal abgesehen. Dabei gaben die fünf Musiker auf und die gut 450 verschwitzten Fans vor der Bühne richtig Gas und gingen richtig ab. Auf Ansagen wurde weitestgehend verzichtet, aber am regelmäßigen breiten Grinsen von Sänger Tom Gabel konnte man erkennen, dass ihnen der Auftritt zu gefallen schien.
Nach gut 40 Minuten schaltete die Band dann mal einen Gang zurück mit etwas langsameren Songs, ehe sie dann noch einmal zum Endspurt ansetzten u.a. mit White People For Peace.
Ein absolut gelungenes Konzert einer der zur Zeit sicherlich besten amerikanischen Punkbands, die man so bald in so kleinem Rahmen wohl nicht mehr zu sehen bekommt.

The Casting Out / Dear Landlord (Posted Date: 25 May 2010, 00:11)

The Casting Out / Dear Landlord

23.05.10 Schlachthof, Wiesbaden

Zur Zeit gibt es unglaublich viele, gute amerikanische Punkbands im Stile von Dillinger 4 wie zum Beispiel Banner Pilot oder Off With Their Heads oder eben auch Dear Landlord. Doch schafft ihre Musik es in der Regel nicht in eine Daily Soap wie GZSZ. Dies gelang letztes Jahr The Casting Out, der Nachfolgeband zu Boysetsfire und eben bei diesen im Vorprogramm in Wiesbaden spielten nun Dear Landlord, doch das befürchtete H&M-Emokiddie-Publikum blieb aus.
Überhaupt blieben dank des herrlichen Pfingstwetters die Leute, die mit dem harten Punkrock der Landlords nichts anfangen konnten, einfach draußen im Biergarten sitzen, so dass man in dem doch sehr kleinen Club des Schlachthof bequem die gut 35 Minuten abrocken konnte, in denen Dear Landlord fast komplett ihr Album Dream Homes spielten. Neben Krachern wie I Live In Hell oder Heartbroken Handshakes brachten sie auch noch ein Cover von Books About Miles Davis von The Ergs unter und hatten sichtlich Spaß an ihrem Auftritt.
The Casting Out sorgten dann für einen vollen Club und hatten ein brandneues Album im Gepäck, das Sänger Nathan ständig jedem ans Herz legte und aus dem sie auch entsprechend viele Stücke spielten. doch die meiste Stimmung kam natürlich bei Songs wie Quixote's Last Ride oder These Alterations auf. Nach einer Zugabe und knapp einer Stunde Spielzeit war Schluss, da laut Nathan der neue Bassist nicht mehr Songs spielen könne und so wartete man insbesondere auf den einen oder anderen Boysetsfire-Hit vergeblich.
Aber daran lags nicht, dass für mich Dear Landlord der Gewinner des Abends waren, ich stehe einfach zur Zeit mehr auf diesen wuchtigen Punkrock als auf die manchmal doch sehr stereotypen Emosongs von The Casting Out.

Ted Leo & The Pharmacists (Posted Date: 24 May 2010, 23:53)

Ted Leo & The Pharmacists / Von Dörte

15.05.10 Gleis 22, Münster

Urlaub rum, der Aschewolke Gott sei Dank entwischt, was tun mit einem Samstag abend? Koffer auspacken und Wäsche waschen ist nicht Rock'n'Roll genug, also ab ins Gleis zu Ted Leo.
Wegen irgendeines Strassenfestes war das Gleis unverschämt leer, doch zum Glück hatte die lokale Vorband Von Dörte ein paar Freunde mitgebracht und konnte auch die anderen mit ihrer Oma Hans-inspirierten Musik überzeugen.
Als Ted Leo und seine Apotheker dann ihre Medikation begannen, waren es immer noch nicht mehr als höchstens 50 Besucher, doch die Leere konnte der Band nicht den Abend verderben, im Gegenteil schienen sie deshalb um so härter und schneller zu spielen. Neben neuen Songs vom gerade erschienenen Album The Brutalist Bricks stand erfreulicherweise sehr viel von Shake The Sheets auf der Setlist und zwischendurch bemühtw sich Herr Leo sogar, deutsch zu reden.
Nach gut einer Stunde war dann Schluss und wer den Stranglers auf dem Stadtfest den Vorzug gegeben hatte, selber Schuld.

Mission Of Burma (Posted Date: 24 May 2010, 23:05)

Mission Of Burma / Endless Boogie

13.05.10 Dingwalls, London

Dank meiner Freundin wurde aus dem Ego-Kurztrip zum Pavement-Konzert ein einwöchiger Kuschelurlaub und damit DIE Gelegenheit, Mission Of Burma mal live zu sehen.
Gegen halb neun betraten die Herren von Endless Boogie die Bühne und spielten gleich zu Beginn einen gut zwanzigminütigen Song mit schier endlosem Gitarrengefrickel. Nach dem zweiten Stück verkündete der Sänger, dass dies das wohl kürzeste Lied gewesen sei, dass sie je live gespielt hätten (es ging keine fünf Minuten). Danach flüsterete der Bassist ihm etwas ins Ohr und er teilte den Leuten mit, dass ihr Set nun beendet wäre, da ihre Zeit um sei.
Der anschließende Umbau erzeugte dann den Eindruck, dass laute Rockmusik nicht gut fürs Gehör ist. Roger Miller müsste inzwischen über 50 sein und scheinbar sehr bedacht, nicht zu sehr Lärm ausgesetzt zu sein. Sein Verstärker wurde an den Bühnenrand geschoben und eine Plexiglaswand zwischen ihm und dem Schlagzeug aufgestellt.
Kurz vor halb zehn zählte dann sein Techniker mal eben bis drei und die Party begann. Die ersten drei Songs vom aktuellen Album The Sound, The Speed, The Light wurden gespielt, danach gings dann quer durch die Bandgeschichte, wobei natürlich bei den Klassikern This Is Not A Photograph und That's When I Reach For My Revolver das durchweg ältere Publikum ausgelassen mitging. Die Band selber genoss augenscheinlich auch den Gig und schrie und spielte, als wären sie erst Anfang 20. Die Setlist wurde zum Ende hin einfach mal ignoriert und auf Wunsch des Publikums auch noch der Academy Fight Song eingebaut.
Nach gut 75 Minuten war dann Schluss und wieder einmal hatte sich der Nomeansno-Slogan bestätigt: Old is the new young.

Pavement (Posted Date: 24 May 2010, 22:25)

Pavement / Sic Alps

12.05.10 o2 Academy Brixton, London

Bielefeld im November 1992. Ein komischer Zausel drückte mir beim Betreten des PC 69 ein Stück Pappe in die Hand, was mich reichlich verwirrte. Wenig später saß der Typ am Schlagzeug der Vorgruppe, die an diesem Abend für Sonic Youth eröffnete. Seitdem bin ich Pavement-Fan. Daher war es nur logisch, dass ich mir sofort Karten für einen der vier Abende in der wunderschönen Brixton Academy besorgte, an denen Pavement im Rahmen ihrer Reunion-Tour in London gastierten.
Doch zunächst musste man Sic Alps ertragen, eine belanglose Pavement-Kopie, die kein Mensch braucht.
Danach brennen dann Pavement über zwei Stunden ein Hitfeuerwerk ab, was man in der Form auf ihren früheren Touren so nie zu hören bekam. Wie auch schon bei den Pixies-Konzerten scheint es dieser Band unheimlich gut zu bekommen, kein neues Album promoten zu müssen, sondern einfach mal so ein Greatest Hits-Set zu spielen. Und dennoch war immer noch jene Unperfektion spürbar, die schon früher ihre Konzerte so besonders machte. Stephen Malkmus gibt immer noch gerne die kleine Diva, die zum einen hemmungslos auf der Bühne rumposte, zum anderen fast entnervt die Gitarre in die Ecke warf, weil es am Anfang bei ihm technische Probleme gab, die der Roadie aber zum Glück schnell beheben konnte. Bei In The Mouth A Desert gabs zum Ende eine kleine Jazz-Einlage und wurde dann einfach mal abrupt beendet.
Das bunt gemischte Publikum in der rappelvollen Brixton Academy zeigte sich auch sehr textsicher und sang vor allem bei Cut Your Hair oder Stereo lauthals mit. Doch am beeindruckendsten gerieten die ruhigeren Stücke wie Grounded oder Stop Breathin', die untermalt vom sehr schönen Bühnenlicht Gänsehaut erzeugten.
Eine gelungene Geschichtsreise durch die eigene Indie-Jugend.

Setlist:
Frontwards
Summer Babe
Date With IKEA
Gold Soundz
Trigger Cut
In The Mouth A Desert
Spit On A Stranger
Perfume-V
Shady Lane
Unfair
Loretta's Scars
Fight This Generation
Silence Kit
Grounded
Debris Slide
And Then (The Hexx)
Lions (Linden)
Two States
Cut Your Hair
Shoot The Singer (1 Sick Verse)
Box Elder
Kennel District
Here
----------------------------------------
Range Life
Stereo
Fin
----------------------------------------
Father To A Sister Of Thought
Stop Breathin'
Conduit For Sale!

Deftones (Posted Date: 24 May 2010, 21:17)

Deftones / Wintersleep / Eternal Tango

07.05.10 FZW, Dortmund

Die VISIONS lud zur Party und konnte mit den Deftones einen richtig großen Namen als Headliner verpflichten. Dementsprechend war das FZW im Nu ausverkauft.
Auf Grund der entsprechend langen Schlange am Einlass konnte man daher Eternal Tango von draußen durch die Fenster der Bar sehen und hören, was vollkommen ausreichte. Eigentlich wollte ich Wintersleep danach im Club aus der Nähe begutachten, doch quatschte ich mich beim Bierchen im Foyer fest.
Wenige Tage vor dem Konzert war das neue Album Diamond Eyes erschienen, aber wer einen lustlosen Promo-Auftritt der Deftones befürchtet hatte, sah sich getäuscht. Gut 100 Minuten gabs massig alte Hits neben neuen Songs und Chino Moreno präsentierte sich schlank und fit wie ein Turnschuh und machte reichlich Meter auf der Bühne.

Setlist:
Diamond Eyes
Rocket Skates
Feiticeira
Elite
Knife Party
Passenger
Around The Fur
Lotion
You've Seen The Butcher
CMD/CTRL
Sextape
When Girls Telephone Boys
Minerva
Birthmark
Prince
Beauty School
Be Quiet And Drive (Far Away)
My Own summer (Shove It)
Back To School (Mini Maggit)
Change (In The House Of Flies)
---------------------------------------------------
Root
7 Words

Banner Pilot (Posted Date: 02 May 2010, 18:39)

Banner Pilot / Brute 'N' Bottled / The Tips

01.05.10 AK 47, Düsseldorf

Auf manche Dinge muss man etwas länger warten, was einem Schalke-Fans seit diesem Tag mal wieder bestätigen können. Die Zugfahrt nach Düsseldorf umgeben von blau-weißen und schwarz-gelben Miesepetern hätte ich durch eine spätere Anreise umgehen können, aber bei zwei Vorgruppen war mit einem Beginn nach 22 Uhr nicht wirklich zu rechnen.
Da ich nicht auf furchtbaren Reggae-Rock (The Tips) und schlechte Spermbirds-Kopien (Brute 'N' Bottled) stehe, hätte auch ein Erscheinen um fünf vor zwölf gereicht, denn dann endlich begannen Banner Pilot.
Die vier Jungs aus Minneapolis spielen eine Mischung aus Jawbreaker und Dillinger Four und haben damit nun bereits zweieinhalb Alben lang das Rad nicht neu erfunden, aber es mit so gutaussehenden Felgen versehen, dass ich seit dem Erscheinen von Collapser im September letzten Jahres darauf warte, das sie endlich mal hierzulande auf Tour kommen. Und so spielten sie dann auch einen bunten Mix aus Songs von Resignation Day und eben Collapser, wobei vor allem Central Standard Time und Greenwood laut mitgesungen wurden. Die Band rockte druckvoll und schien auch Spaß am Konzert zu haben. Zum Schluss wurden dann Descendents gecovert (ALL und No, ALL), da sie in Amerika eigentlich keine Zugabe spielen. Nach diesem Scherz gab es auch noch einen richtigen Nachschlag und dann war nach gut 45 Minuten Schluss.

Leatherface (Posted Date: 02 May 2010, 17:29)

Leatherface / Paraquat

30.04.10 Gleis 22, Münster

Eine Woche nach dem furiosen Auftritt in Düsseldorf schaute ich mir Leatherface noch ein zweites Mal bei ihrem Tourneeabschluss in Münster an. Gab es musikalisch keine großen Veränderungen im Set, hatte sich optisch einiges getan, denn der Bart ist ab. Mr. Stubbs feierte nämlich unter der Woche seinen Geburtstag und wurde währends des Auftritts in Köln rasiert.
Den belanglosen Emo-Sound der Vorgruppe Paraquat hörte ich mir von draußen an.
Leatherface spielten dann ein ähnliches Set wie in Düsseldorf, vielleicht ein oder zwei Songs kürzer. Das Publikum im gut besuchten Gleis 22 ging gut mit, wenn auch nicht ganz so euphorisch und textsicher wie die rheinischen Frohnaturen. Aber es reichte, um Frankie ein aufrichtiges Dankeschön zu entlocken ("It's you who make this all worthwhile") und die Band nach zwei Zugabenblöcken sogar noch ein drittes Mal zurück auf die Bühne zu holen und mit Not A Day Goes By den finalen Schlusspunkt zu setzen.

Leatherface

Nomeansno (Posted Date: 02 May 2010, 16:49)

Nomeansno / The Pack A.D.

28.04.10 Druckluft, Oberhausen

Über drei Jahre ist es schon her, dass All Roads Lead To Ausfahrt erschien, da muss doch bald mal was Neues kommen. Und richtig, im Gepäck zur aktuellen Tour haben Nomeansno die Tour EP1, vier neue Stücke auf Vinyl (das aber leider in Oberhausen noch nicht zu kaufen war).
Und im Gepäck hatten sie auch eine kanadische Vorband namens The Pack A.D., zwei Frauen an Schlagzeug und Gitarre, was zwangsläufig sofort Assoziationen zu anderen Duos wie The White Stripes oder The Kills weckt, aber dank Sängerin Beckys markanter Stimme auch noch sehr viel Sleater-Kinney raushören ließ. Die beiden ernteten jedenfalls für eine Vorband ungewöhnlich viel Applaus und das vollkommen zu Recht.
Die alten Herren von Nomeansno waren danach souverän wie immer. Gleich als Opener spielten sie Old von der neuen EP (zwei weitere Stücke davon folgten später auch noch) und gaben damit etwas die Richtung des Abends an. Denn im Gegensatz zu den "poppigeren" Setlists der Ausfahrt-Konzerte wurde dieser Abend etwas frickeliger, was sehr angenehm war.
Da zum Ende hin Robs Bassverstärker wohl den Geist aufzugeben schien, war nach knapp 100 Minuten mit Victory Schluss, auch wenn man den Eindruck hatte, die Band hätte noch länger spielen wollen.
Das Fazit des Abends prangte jedenfalls auf den Shirts am Merch-Stand: Old is the new young.

Leatherface (Posted Date: 26 Apr 2010, 20:23)

Leatherface / Mad Chapel

24.04.10 Stone, Düsseldorf

Nach sechs Jahren endlich ein neues Album, nach dreieinhalb Jahren endlich wieder auf Tour, Schlagzeuger Lainey nicht mehr an Bord, was sollte man da erwarten?
Samstag Abend in der Düsseldorfer Altstadt, frühsommerhaftes Wetter und an jeder Ecke irgendeine schreckliche Junggesellenabschiedstour, da verwunderte es nicht, dass es bei Mad Chapel noch sehr überschaubar im Stone war und das auch zu Recht.
Dann endlich betraten Frankie Stubbs und Dickie Hammond samt Rest der Band die Bühne, der eine inzwischen mit einem beachtlichen Che Guevara-Bart, der andere mit einem ebenso beachtlichen Bauchumfang. Mr. Stubbs wirkte etwas grummelig ob der doch beengten Verhältnisse auf der Bühne und zu allem Überfluss fällt beim ersten Song auch gleich das Schlagzeug auseinander. Doch das ist Punkrock und was in den folgenden gut 90 Minuten geboten wurde, ließ so manches ältere Semester vor der Bühne (mich eingeschlossen) seine Arthrose vergessen und wild abfeiern. Auch Mr. Stubbs hatte sich inzwischen etwas Platz verschafft, indem er einfach seine Pedale und seinen Monitor fast von der Bühne schob und mehrmals klassisch von rechts nach links shuffelte.
Die neuen Songs von The Stormy Petrel wie Never Say Goodbye oder Disgrace klangen live deutlich härter und besser als auf Platte und wurden immer von Klassikern wie Pale Moonlight, Andy, I Want The Moon oder Watching You Sleep eingerahmt, so dass auch der Spannungsbogen schön hoch blieb. Nach dem ersten Zugabenblock mit Not A Day Goes By und dem bierseligen Hops & Barley kam die Band noch ein zweites Mal zurück. Frankie Stubbs verkündete mit geradezu gerührter Stimme, dass die Band nun schon seit sieben Wochen auf Tour sei, erst in Kanada und den USA und nun halt in Europa, aber der heutige Auftritt sei ihr mit Abstand bester, wie auch schon beim letzten Mal im November 2006 Düsseldorf für sie das Highlight der Tour gewesen sei. Und wer während des ganzen Auftritts beobachten konnte, wie seine anfangs noch etwas muffelige Laune sich zunehmend besserte und einem verschmitzten Grinsen wich, wusste, dass dies nicht nur Gerede war. Danach lud er dann für You Are My Sunshine die Fans auf die Bühne zum Singen ein, während er sich mit seiner Gitarre davor im Zuschauerraum platzierte. Doch auch nach dem Chaos war noch nicht Schluss, sondern Not Superstitious sorgte noch einmal für Gänsehaut und selbst danach liessen sie sich noch einmal zu einer dritten Zugabe durch einfach nicht enden wollenden Applaus überreden.
Nach dem Konzert klatschten sich wildfremde Menschen ab und waren sich einig, einer absoluten Sternstune beigewohnt zu haben.

Leatherface

We Were Promised Jetpacks (Posted Date: 26 Apr 2010, 19:50)

We Were Promised Jetpacks / Dupec / Nil

21.04.10 Die Werkstatt, Köln

Nach The Unwinding Hours und Frightened Rabbit folgte zum Abschluss der schottischen Wochen noch der Auftritt von We Were Promised Jetpacks in Köln. Eigentlich wollte ich sie mir tags zuvor im Gleis 22 in Münster anschauen, doch da das Konzert bereits im Vorfeld ausverkauft war, wurde schnell umdisponiert, ein Online-Ticket erworben und die Fahrt nach Köln gemacht.
Seit dem Erscheinen ihres Albums These Four Walls letztes Jahr sind die Jetpacks bereits das dritte Mal auf Deutschland-Tour und stetig kamen mehr Besucher zu ihren Shows, so dass Die Werkstatt noch etwas voller war als bei The Unwinding Hours zwei Wochen zuvor.
Nil wurden elegant beim Bierchen vor der Tür verpasst, Dupec angehört, für gut befunden, vor allem wegen ihrer Hot Club De Paris-Referenzen. Kurz nach zehn legten dann die Jetpacks mit Keeping Warm los, um anschließend mit einer fast schon zu überdrehten Version von Quiet Little Voices ihren "Hit" recht früh zu verbraten. Überhaupt wirkten sie vor allem zu Beginn etwas überspielt, was sich jedoch im Laufe des Auftritts bessern sollte, so dass sich die bekannte Gänsehaut aufstellte, wenn Sänger Adam sein Mikro links liegen ließ und einfach mal so in den Saal hineinsang und -schrie wie bei Short Bursts, auch diesmal wieder grandioser Abschluss nach guten 55 Minuten, in denen das Album minus An Almighty Thud und Conductor (Adam auf einen Publikumswunsch dazu: "Naaa, it's boring") plus A Far Cry von der The Last Place You'll Look EP und einem brandneuen Song gespielt wurden.
Dennoch waren sie schon besser, so dass ich ihnen eine kleine Pause wünsche, um dann mit einem zweiten Album im Gepäck wieder zu kommen.